OpenGov und OpenData in Darmstadt – Teil 3 – Abt. Statistik und Stadtforschung

Wie im vorherigen Post erwähnt, unterhält die Stadt Darmstadt ein Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung mit einer Abteilung „Statistik und Stadtforschung“. Nachdem ich im Zuge meiner Recherche auf der Darmstädter Webseite über diese Abteilung gestolpert bin, habe ich kurzfristig einen Termin ausgemacht und habe die Abteilung aufgesucht. In einem sehr netten und informativen Gespräch weihte mich der Leiter, Herr Bachmann, der mit vier Kollegen in der Abteilung arbeitet, in deren Aufgaben und Prozesse ein. Herr Bachmann erzählte, dass sein Aufgabenbereich wie auch dessen Grenzen durch zwei Gesetze scharf definiert wird: dem Hessischen Landesstatistikgesetz (HessLStatG) und dem Hessischen Datenschutzgesetz (HDSG). Die Abteilung kooperiert mit vielen unterschiedlichen Ämtern und Institutionen um Daten zu akkumulieren und auszuwerten. Nicht nur die deskriptive Statistik der Daten steht dabei auf dem Programm, sondern auch die Abschätzung der Auswirkung der zugrunde liegenden Fakten auf die Stadtentwicklung, wie der zweite Teil des Namens der Abteilung andeutet.

Die regelmäßige Erstellung von statistischen Berichten, die sowohl in gedruckter als auch in digitaler Form (als PDF-Datei) den Bürgern bereitgestellt werden, ist ein wichtiger Aufgabenbestandteil der Abteilung. Ich war positiv überrascht wie reichhaltig und vielfältig diese Publikationen sind. So umfasst der halbjährig erscheinende „Statistische Bericht“ unter anderem Daten aus den Bereichen Umwelt, Bevölkerung, Arbeitsmarkt, öffentliche Sicherheit und Finanzen. Auch die zeitliche und räumliche Auflösung lag für viele Datenbestände über meinen Erwartungen. Für den OpenGov-Interessierten sei anzumerken, dass die darin publizierten tabellarischen Daten nicht automatisch online publiziert werden, aber von Interessierten ohne Problem und mit geringer Latenzzeit auf Anfrage als Excel- oder CVS-Datein erhalten werden können. Herr Bachmann erwähnte das von diesem Angebot vielfach gebraucht gemacht wird. So erlangte Daten können weiterpubliziert werden, wenn die entsprechenden Quellen korrekt angegeben werden (also so in etwa wie es die Creative-Common-Attribution-Lizenz fordert). Ein automatische Bereitstellung aller Daten in dieser Form ist momentan aus Kostengründen nicht geplant. Zudem gebe es im allgemeinen nur an einem kleinen Teil der Daten Interesse, sagte Herr Bachmann. Rohdaten können aus datenschutztechnischen Gründen nur an ausgewählte Entitäten e.g. Forschungsgruppen geben werden.

Sollte ein Parlamentarier oder ein Bürger Interesse an Daten zu einer bestimmten Sachlage haben, die bisher noch nicht zur Verfügung stehen, muss er oder sie sich an den Oberbürgermeister wenden. Dieser wird dann in Absprache mit der Abteilung „Statistik und Stadtforschung“ und unter Abwägung der Kosten und Nutzen möglicherweise eine entsprechende Erhebung in Auftrag geben.

Alles in allem sehe ich in hier einen guten Startpunk für die dateninteressierte Bürgerin. Der Datenfundus ist reichhaltig und die Bereitschaft zur Hilfe mindestens ebenso.