OpenGov und OpenData in Darmstadt – Teil 2 – Bestandsaufnahme

Nachdem ich das Thema OpenGov und OpenData kurz umrissen habe, möchte ich nun den status-quo in Darmstadt diesbezüglich behandeln. Natürlich kann ich keine Garantie für Vollständigkeit geben. Bevor ich auf Darmstadt eingehe, sei erwähnt, dass das Thema in Deutschland allgemein ziemlich am Anfang steht und hinter dem Angebot der USA und UK liegen. Als erste Ansätze sind die Webseite des Statistische Bundesamtes oder der Petitionsserver des Deutschen Bundestages zu nennen. Zudem gibt es private Initiativen wie abgeordnetenwatch.de, offener Haushalt oder Bundestagger. Auf Verwaltungsebene gibt es ein eingeschränktes Angebot an Online-Services.

Darmstadt Matthildenhöhe Die Darmstädter Webseite finde ich persönlich sehr gut aufgebaut und navigierbar. Für allgemeine Nachrichten gibt es einen RSS-Feed. Auf der Seite sind zahlreiche Informationen gut strukturiert plaziert – Darmstadt scheint auf Transparenz wert zu legen. So findet unter anderem eine Offenlegung von Bauleitplänen online statt. Wahlergebnisse, wirtschaftliche Kennzahlen, Ausschreibungen, Termine der Stadtverordneten-Versammlung wie auch die komplette Haushaltsplanung kann man hier einsehen. Die Abteilung Statistik und Stadtforschung im Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung trägt einen riesigen Fundus an verschiedensten Daten zusammen (ich werde in einem weiteren Post näher auf diese Abteilung eingehen). Leider werden die bisher genannten Daten ausschließlich in Form von PDF-Dateien (ein paar wenige Ausnahmen als HTML) veröffentlicht. Die Inhalte scheinen nicht unter einen freien Lizenz zur stehen, so dass es bei der Weiterverwertung auch juristische Hürden gibt. Zudem sind nur relativ aktuelle Daten verlinkt – ein Archiv sucht man vergebens.

Wer an Umweltdaten interessiert ist, hat mehr Glück. Das Hessische Landesamt für Umwelt und Geologie zeichnet zahlreiche chemische, biologische und physikalischer Werte auch für Darmstadt auf und stellt diese zeitnah in verschiedenen Formaten zum Download und teilweise auch zur direkten graphischen Darstellung zur Verfügung. So lässt sich z.B. auf dieser Seite die Konzentration von Luftschadstoffen wie Ozon oder Schwefeldioxid für einen frei wählbaren Zeitraum visualisieren. Leider konnte ich auch hier keine Lizenzangaben finden.

Von der Verwaltungsseite bietet die Stadt ein paar wenige Online Dienste wie ein virtuelles Fundbüro an. In der Rubrik Bürgerdialog sind hauptsächlich Verweise zu andere Unterseiten und ein Kontaktformular zu finden. Eine Email von mir an den Bürgerbeauftragten ist seit einigen Tagen unbeantwortet. Zur Verteidigung sei zu sagen, dass ich nach der Position der Stadt zum Thema OpenGov/OpenData gefragt habe und eine Antwort wahrscheinlich erst durch verschiedene Instanzen gehen muss.

Auch über die Aktivitäten der Stadtverordnetenversammlung – dem Parlament der Stadt – kann man Informationen erhalten. Dazu bietet das Parlamentsinformationssystem eine Anlaufstelle. So kann man hier Vorlagen und Beschlüsse herunterladen – leider wieder nur in Form von PDF-Dateien. Allgemein scheint mir diese Plattform nicht mehr Stand der heutigen Technik zu sein. Besonders auf Seiten der User Experience sehe ich Mängel. Wahrscheinlich könnte ein Content-Management-System von der Stange nach geringer Modifikation und Erstellung entsprechender Workflows mehr leisten. Da ich nicht den kompletten Funktionsumfang des momentanen Systems kenne, ist dies aber vorerst eine unbewiesene Vermutung. Inhaltlich blieb dieses Informationssystem ebenfalls hinter meiner persönlichen Erwartung: Weder Anwesenheits- oder Abstimmungslisten noch genau Gesprächsprotokolle sind vorhanden. Ob es hierzu keine Aufzeichnungen gibt oder diese nicht eingebunden sind, kann ich momentan nicht sagen.

Als Beispiel für den Versuch den Dialog zum Bürger online zu suchen ist mir die Meldeplattform Radverkehr aufgefallen. Diese wird von der ivm GmbH für den ganzen Bereich Region Frankfurt Rhein-Main betrieben. Man kann dort Mängel an Fahrradwegen eintragen. Generell eine schöne Idee, aber leider handelt es um eine informationelle Einbahnstraße: Die dort gesammelten Daten sind nicht für die Öffentlichkeit einsehbar. Das ist sehr schade. Es wäre leicht möglich, anderen Nutzern die Möglichkeit zu geben, bereits eingegebene Orte zu bewerten und zu kommentieren. Dies könnte entscheidend helfen, Prioritäten für die Behebung der Mängel zu setzen.

Summa summarum: In der Darmstädter Verwaltung und Regierung scheint es einen großen, permanent wachsenden Schatz an Informationen zu geben, der allerdings noch nicht OpenGov/OpenData-Ansprüchen (siehe Ten Principles for Opening Up Government Information) entsprechend aufbereitet ist. Für diese Daten stehen weder Online-Archive noch Schnittstellen zur Verfügung. Nur vereinzelnd werden Bürger-Services der Verwaltung online Angeboten. Es gibt also noch viel zu tun.

Fehlt etwas? Solltest Du der Meinung sein, dass ich etwas wichtiges übersehen habe würde ich mir über Kommentare und Nachrichten freuen.